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Digitale Tafeln bei Schülern umstritten


By adminGeschrieben am29 April 2013

Die Kreidezeit neigt sich an den Göppinger Schulen dem Ende entgegen. Die gute alte Wandtafel hat in immer mehr Klassenzimmern ausgedient. An den Schulen der Stadt sind derzeit mehr als 60 so genannte Whiteboards, also elektronische Tafeln, im Einsatz. Allerdings mit ungleicher Verteilung: So hat das Freihof-Gymnasium beispielsweise nach der neuesten Erhebung zwölf solcher High-Tech-Tafeln, das Mörike- und das Werner-Heisenberg-Gymnasium gerade mal je eine. Auch an den Realschulen und Werkrealschulen ist die Verteilung sehr ungleichmäßig. Die Kosten von durchschnittlich 4500 Euro pro Tafel müssen zur Hälfte aus dem Budget der Schule finanziert werden.
Während die Schüler und Jugendlichen mit Smartphones, Computern und Spielkonsolen euphorisch in die digitale Welt aufbrechen, sind sie von den neuen Tafeln offenbar oft weniger begeistert. Im Göppinger Jugendgemeinderat wurde jetzt eine Umfrage organisiert, berichtete der Jugendgemeinderat Marvin Pfister im Aussuss für Schulen und Soziales. Die Jugendvertreter wurden gefragt, ob sie den Einsatz von Whiteboards an Schulen sinnvoll finden und welche Probleme sie sehen. Von 14 Jugendgemeinderäten, die teilnahmen, sprachen sich 13 dafür aus, eine weitere Beschaffung dieser Geräte auszusetzen.

Jugendgemeinderat soll Umfrage machen
Im Ausschuss für Soziales und Schulen stieß dieses Ergebnis wiederum auf Skepsis. Die Meinungen seien nicht repräsentativ für die Schülerschaft. Deshalb soll der Jugendgemeinderat nun an den Göppinger Schulen eine umfassende Befragung auf die Beine stellen. Das habe er bereits in die Wege geleitet, sagte Marvin Pfister gestern. Am Montag werde der Jugendgemeinderat über einen weiteren Vorschlag beraten: Der Gemeinderat soll die weitere Beschaffung bis zur Auswertung der Umfrage stoppen.
Zu den Nachteilen, die die Jugendlichen auflisteten, gehört, dass viele Lehrer noch gar nicht mit den Geräten umgehen könnten. Sobald aber Bedienprobleme auftreten oder die Technik nicht funktioniert, sei der Unterricht nicht mehr in der geplanten Form möglich. Die Lehrer sollten besser und intensiver geschult werden, fanden die Jugendlichen laut Befragung.
Weitere Kritikpunkte waren die lange Vorbereitungszeit für das Hochfahren der Geräte und die hohen Kosten, die besser für andere Anschaffungen genutzt werden sollten. Als unbestrittene Vorteile erkannten die Jugendlichen, dass Internet-Nutzung und das Einbeziehen von Filmen und Musik viel leichter seien und Arbeitsblätter direkt bearbeitet werden können.
Günter Roos, Schulleiter am Freihof-Gymnasium und bekennender Anhänger der Whiteboards, räumte ein, dass einige Lehrer noch nicht alle Möglichkeiten ausnützen können, aber: „Wer sich mit der Technik auseinandersetzt, schätzt die Vorteile.“ Es gebe bereits viele Schulungen. Und mit der wachsenden Verbreitung steige auch die Kompetenz der Lehrer – ähnlich wie vor Jahren beim Computer. Den Whiteboards gehöre die Zukunft.
Marvin Pfister dagegen fand, man müsse „einfach einsehen, dass die Whiteboards nichts für den Unterricht sind“. Sinnvoller sei es, die Klassenzimmer mit Beamer und Laptops auszustatten. Ausschussmitglied Felix Gerber (CDU), Lehrer an einer Sigmaringer Schule, berichtete, dort sei die Anschaffung von Whiteboards zugunsten von Beamern gestoppt worden. Und Wolfram Feifel (VUB), Lehrer am Berufsschulzentrum an der Öde, sagte, dort seien Whiteboards noch kein Thema. Bürgermeisterin Gabriele Zull vertrat die Auffassung, die Entscheidung sollte den jeweiligen Schulen überlassen werden
 
Was kann ein Whiteboard?
Ein Whiteboard ist eine elektronische Tafel. Das Whiteboard ermöglicht es unter anderem, einen angeschlossenen Computer mit all seinen Funktionen und für alle sichtbar einzusetzen. Genutzt werden die Geräte vor allem im Unterricht.
Der Computer wird in der Regel mit einem kabellosen Stift bedient. Auf dem Whiteboard werden die Menüs wie mit der Maus gesteuert. Handschriftliche Texte lassen sich darstellen. Eine Software bietet die Möglichkeit zum Einbinden von Graphiken, Musik, Bildern, Karten und anderen Ebenen.
Die Aufschriebe lassen sich speichern und in einer späteren Unterrichtseinheit wieder aufrufen. Sie können auch ausgedruckt und verteilt werden. Das Mitschreiben kann entfallen.
 
Quelle: Südwest Presse vom 26.4.2013