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Mutmach-Transparente für Abiturienten im Kreis


By adminGeschrieben am29 April 2013

Für 991 Abiturienten im Landkreis Göppingen begann am Mittwoch die Prüfungsphase. Dabei waren die Transparente unübersehbar: Rund um die Gymnasien hängen Zäune, Wände und Brücken voll mit bunt bemalten Bettlaken.
 
Die Mutmacher-Botschaften sind schwer in Mode. Damit wollen Freunde, Mamas oder Omas den Prüflingen durch den Abistress helfen. Zum Auftakt schwitzten am Mittwoch knapp 1000 Abiturienten im Kreis Göppingen traditionell über den Deutschaufsätzen. Fünfeinhalb Stunden hatten sie dafür Zeit. Mit viel Traubenzucker und Proviant hatten sie sich am Morgen auf den Weg in die Prüfungsräume gemacht.
Wie in den Vorjahren wählte die deutliche Mehrheit im Kreis aus fünf Themen den vermeintlich sicheren Weg - die Interpretation einer Passage aus der Pflichtlektüre. Klarer Favorit an den sieben allgemein bildenden Gymnasien im Verbreitungsgebiet der NWZ war die Interpretation einer Textstelle aus Kafkas "Der Proceß" und ein Vergleich der Bedeutung des Gerichts für die Hauptfiguren aus "Michael Kohlhaas" von Kleist und Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame". Fast drei Viertel der Schüler stürzten sich auf diese Aufgabe, am Mörike-Gymnasium Göppingen waren es 85 Prozent, in Eislingen 54 Prozent.
Durchschnittlich gut zehn Prozent der Schüler wählten den Vergleich der beiden Gedichte "Sonett" von Bertolt Brecht und "Dreistufige Drohung" von Sara Kirsch. Ebenfalls gut zehn Prozent wagten sich an die Analyse und die Erörterung des Textes "In Zeichen wie diesen" von Burkhard Müller aus der Süddeutschen Zeitung. Die Gestaltende Interpretation zu Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" brachte es auf durchschnittlich sechs Prozent. Die Literarische Erörterung fiel in der Gunst der Abiturienten durch: Nur sechs von 529 Abiturienten der sieben allgemein bildenden Gymnasien wagte sich an die Erörterung eines Briefausschnitts von Georg Büchner an seine Familie.
Weniger deutlich fielen die Präferenzen an den beruflichen Gymnasien in Göppingen und Geislingen aus. Etwa die Hälfte der Schüler wählte am Wirtschaftsgymnasium, am Ernährungswissenschaftlichen und Sozialwissenschaftlichen Gymnasium die Pflichtlektüre: "Homo-Faber" von Max Frisch. Bei den weiteren Aufgaben ergaben sich zum Teil große Differenzen. So bearbeitete am Technischen Gymnasium 44 Prozent, am Ernährungswissenschaftlichen Gymnasium nur fünf Prozent die Analyse des Textes "Weltkurzsichtigkeit" von Miriam Meckel aus dem "Spiegel".
Und wie kamen die Abiturienten aus der Prüfung? Nach fünfeinhalb Stunden fiel das Fazit unterschiedlich aus, wie Beispiele vom Göppinger Freihof-Gymnasium zeigen: Beim 20-jährigen Sandro Angiolello lief die Abiturprüfung in Deutsch "überraschend gut". Er ist sich sicher, dass auch der Rest klappen wird, denn Deutsch sei für ihn das schlimmste Fach gewesen. Der Abiturient gesteht: "Ich habe darauf gehofft, dass bei der gestaltenden Interpretation ,Der Besuch der alten Dame drankommt. Zum Glück war es dann auch so." Der 17-jährige Shawn Lindner aus Albershausen ist weniger begeistert von seinem Deutsch-Abi: "Es lief schlechter als erwartet." Er sieht ein, dass er mehr hätte lernen sollen. Englisch werde seine härteste Prüfung sein, die leichteste Prüfung erhofft er sich in Chemie. Elisa Zeller dagegen hätte sich die Deutschprüfung stressiger vorgestellt. "Es lief entspannt, als ich irgendwann im Schreibfluss war. Ich hab dann 12 Seiten geschrieben." Sie hatte sich für den Gedichtvergleich entschieden.
Der Prüfungsmarathon geht am Donnerstag mit Mathematik weiter. Dieses Fach treibt erfahrungsgemäß vielen Prüflingen den Angstschweiß auf die Stirn. Dann folgen Englisch und Französisch. Am nächsten Dienstag sind die schriftlichen Abi-Prüfungen für viele schon vorbei. Anschließend kommen nur noch die weiteren Sprachen dran.
 
Quelle: Südwest Presse vom 11.4.2013