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Freihof-Gymnasium begegnet Unterrichtsausfall auf spezielle Weise


By adminGeschrieben am04 März 2008

Ein durchdachtes System?
 
Freihof-Gymnasium begegnet Unterrichtsausfall auf spezielle Weise
 
Das Thema "Unterrichtsausfall" sorgt seit Wochen für Diskussionsstoff. Auchim Kreis Göppingen klagen Eltern über ausfallende Stunden. Dagegen setztman am Freihof-Gymnasium auf ein spezielles System.
 
STEPHANIE AHR
 
Kreis Göppingen
 
 
Dienstagmorgen, 7 Uhr, an einer Göppinger Schule: Überraschend meldet sichein Lehrer krank. Während ein Teil der Stunden von Vertretungen übernommenwird, fallen Randstunden häufig aus - meist ohne Ersatz. Situationen wiediese gehören an den Göppinger Schulen zum Alltag. Im Vergleich zu anderenLandkreisen in Baden-Württemberg ist die Zahl der ausfallenden Stundenzwar gering, dennoch liefert das Thema "Unterrichtsausfall" derzeitgenügend Diskussionsstoff. Die Vorwürfe der Eltern sind vielfältig: Sofehlte an einem Gymnasium der Abiklasse drei Wochen lang der Mathelehrer,woanders fällt des Öfteren die Mittagsschule aus, an wieder einer anderenSchule war der Klassenlehrer längere Zeit auf Fortbildung.
 
Über derartige Ausfälle kann Günter Roos, Schulleiter des GöppingerFreihof-Gymnasiums, nur den Kopf schütteln: "Wir haben im Falle vonErkrankungen ein ausgeklügeltes System - das funktioniert wunderbar." Seitdiesem Schuljahr beginnt der Unterricht mit Doppelstunden. Jeden Tag mussder Lehrer dieser Stunden aktuelles Arbeitsmaterial in einen Ordnerhinterlegen. Sollte er am nächsten Tag krank sein, kann ein Kollege denSchülern die Arbeitsaufträge geben. "Üben, vertiefen und anwenden ist dieDevise", erklärt Roos. Und das wiederum sei eine "wunderbare Möglichkeit"den Stoff zu verinnerlichen.
 
Für den restlichen Tag wird nun ein Vertretungsplan aufgestellt. In ersterLinie versucht die stellvertretende Schulleiterin Elisabeth Wahl einenLehrer einzusetzen, der generell in der Klasse unterrichtet. Beispiel:Fällt ein Mathelehrer aus, hat die Klasse in dieser Woche eben mehrEnglischunterricht. Fällt die Englischlehrerin aus, gibt esdementsprechend mehr Matheunterricht. "Damit gleicht sich derUnterrichtsausfall im Laufe des Jahres aus", sagt der Rektor. Ebenso könneder Lehrer der vorangegangenen Stunde mehr Hausaufgaben geben - die dannin der Vertretungsstunde erledigt werden. Auf dieses System werde auchgesetzt, wenn der Lehrer längere Zeit ausfällt.
 
Ganz zu vermeiden sei es jedoch nicht, dass Unterricht, etwa die sechsteStunde oder der Nachmittagsunterricht, ausfalle. "Etwas anderes zubehaupten wäre gelogen. Aber wir wollen sicher stellen, dass zumindestimmer die ersten fünf Stunden stattfinden", betont Roos. Hohlstundensollen ganz vermieden werden. Längere Erkrankungen eines Lehrers versuchtman am Freihof-Gymnasium mit eigenen Lehrkräften auszugleichen."Beispielsweise hält eine Teilzeitkraft ein paar Stunden mehr", berichtetder Schulleiter. Diese Variante unterstütze das Regierungspräsidium auchfinanziell. Eine externe Vertretung zu bekommen, sei dagegen meist sehrschwierig.
 
Anders liegt der Fall bei Fortbildungen und außerunterrichtlichenVeranstaltungen. Hier werde vorab mit dem Lehrer geklärt, wie dieVertretung abläuft. Damit das System funktioniert, bedarf es einer gutenKommunikation zwischen Schulleitung und Kollegen. "Voraussetzung ist, dass die Kollegen mitarbeiten - zieht jemand nicht mit, knirscht es sofort - dasteckt viel Planung und Arbeit dahinter."
 
Quelle: Südwest Presse vom 4.3.2008